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Freie wissenschaftliche Arbeit für das Tutorium

„Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten“

an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam
über das Thema:

 

 

Gothics – Eine Subkultur in Deutschland

 

 

 

Name:      Sandra Kreutzer

   

Potsdam, 06. November 2001



1          Einführung

Man nennt sie Gothics oder Grufties und für sie sind die dunklen Seiten des Lebens faszinierend. Und das teilen sie ihrer Umwelt mit durch die Musik, die Kleidung und die Lebenseinstellung. Auf viele Menschen wirken sie mysteriös oder sogar bedrohlich.

Diese Arbeit möchte diese Randgruppe kurz beleuchten. Im ersten Teil „Die Subkultur Gothic“ wird auf die Entwicklung der Szene eingegangen. Schwerpunkt der Arbeit ist jedoch das „Erscheinungsbild“ der Szene, in dem unter anderen auf die Kleidung, die Musik und die innere Einstellung der Goths eingegangen wird. Am Ende der Arbeit im Kapitel „Kritische Anmerkungen“ wird auf mögliche Gefahren und bestehende Vorurteile eingegangen.

2          Die Subkultur Gothic

2.1        Entwicklungsgeschichte der Szene

Die Gothic-Musik und die Gothic-Szene entstanden Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre und haben ihre Wurzeln im Punk. Doch die Punkrichtung wurde bald nach deren Entstehung von der Musikindustrie und den Medien kommerziell ausgeschlachtet. So war es nur eine Frage der Zeit bis einige Bands sich musikalisch umorientierten. Man wollte sich von der konventionellen Musik abgrenzen und widmete sich nun philosophischen, religiösen und antireligiösen Themen, um so eine Gegenbewegung zur tanzfreudigen und bunten Discomusik der 70er Jahre zu entwickeln. Der langsame und schleppende Klang der Musik wirkte nun wehmütiger und düsterer und die Texte handelten nun verstärkt von:

·        ungenutzten Chancen

  • Alltagsfrust
  • Verzweiflung
  • menschlichen Tragödien
  • Liebe, Schmerz und Trennung
  • Tod und Trauer
  • religiösen Wahnsinn
  • sexuellen Begierden

Mit den Bands wuchs auch deren Anhängerschaft, die diese Weltanschauung teilte und diese selbst mit ihrer Persönlichkeit zur Schau trug.

2.2        Inneres Erscheinungsbild

Der Gruftie will sich von der normalen Welt, den traditionell feststehenden Werten und Normen abgrenzen. Er fühlt sich als Tabubrecher, der in einer Gesellschaft der „ewigen Jugend“ und des „Immer-gut-drauf­-Seins“ die Schattenseiten des Lebens (z.B. den Tod)[1] ins Spiel bringt. Diese dunklen Seiten, die dem Normalbürger eine Gänsehaut verursachen, werden von den Grufties regelrecht kultiviert. Auch das Interesse für dunkle Kunst (Caspar David Friedrich, Edvard Munch, H.R. Giger) und dunkle Literatur (Edgar Allan Poe, Mary Shelley, Bram Stoker) ist in der Szene weit verbreitet.[2]

„Mystik und Romantik spielen für jeden Schwarzen eine große Rolle. Viele kommen gerade über die Beschäftigung mit diesen Themen zur Szene, da hier die Auslebung romantischer Gefühle akzeptiert wird.“[3]  Die Beschäftigung mit dem Thema beschränkt sich nicht immer nur auf die Lektüre von okkulten Büchern, zum Teil werden auch magische Rituale („Alltagszaubererei“) durchgeführt (siehe auch „Kritische Anmerkungen“).

Für manche ist es eine Flucht in eine dunkle romantische Welt, eine Welt der Fantasie, der Trauer und Melancholie, die sie ausleben. Ein Gothic zu sein heißt Rückzug und Verweigerung.

2.3        Äußeres Erscheinungsbild

Andere legen mehr Wert auf Ästhetik und Styling, die Außendarstellung und die Inszenierung einer Lebensphilosophie. Dabei ist die Farbe „schwarz“ der symbolische Ausdruck für die Lebenseinstellung und Zeichen der Abgrenzung zum „Normalen“.[4]

Das Schönheitsideal heißt "Blass sein". Nicht zufällig erscheinen dabei die Parallelen zur viktorianischen Ästhetik und die Abgrenzung zur sonnengebräunten „Fit-und-Fun-Gesellschaft“. „Der Effekt eines solch extremen schwarz-weiß Make-ups besteht darin, dass dessen Träger die Möglichkeit erhält, sein Wesen und seine Gefühle hinter dieser „Maske“ zu verbergen.“[5]

Bei der Kleidung ist anzumerken, dass entweder großer Wert darauf gelegt wird keine freie Haut zu zeigen (viktorianische Ästhetik) oder sich in Bondage und Fetisch Kleidung (Leder, Lack, Latex, Gummi) extrem freizügig zu geben. Ergänzt wird das Outfit oft durch Nietenbänder um Hals oder Handgelenk, sowie schwere Eisenketten. Beides sind Symbole, die mit Gefangenschaft oder Unterdrückung in Verbindung gebracht werden.

Weitere, teilweise als Schmuck getragene Symbole sind:

·        Ankhs (Henkelkreuz, das ägyptische Symbol für ewiges Leben.)

·        Das "Horus Auge" (Ebenfalls ägyptisches Symbol)

·        Runen (heidnische Symbole)

·        Pentagramm (das heidnische Symbol für Feuer, Erde, Luft, Wasser, Geist. Weil das Pentagramm auch mit Satanismus assoziiert wird tragen manche Gothics auch um Leute zu schocken.)

·        Kruzifixe (Christliche Symbolik), teilweise auch umgedreht (Grund siehe Pentagramm)

Mit ihrer schwarzen Kleidung, den dunkel geschminkten Augenhöhlen und Lippen, den schwarzen Haaren und der leichenblassen Schminke tragen sie Schwermut und Weltschmerz zur Schau. Man trägt nach außen, wie man sich im Innern fühlt.

3          Kritische Anmerkungen

Gothics werden von der Gesellschaft meist mit Begriffen wie Satanismus, Todessehnsucht, Tod und Bedrohung in Verbindung gebracht. Wo liegen die Ursprünge für dieses vorherrschende Bild und sind die Annahmen begründet?

Die Gothics umgeben sich bewusst mit Symbolen des Todes (Friedhöfe, Totenköpfe und Särge). Auch die Texte der von der Szene bevorzugten Musik (siehe „Entwicklungsgeschichte der Szene“) beschäftigen sich häufig mit dem Themen Tod, Sterben und Trauer. Dies erweckt den Eindruck eines regelrechten Todeskults (siehe „Inneres Erscheinungsbild“ und „Äußeres Erscheinungsbild“). Doch wenn Gothics sich so intensiv mit dem Tod beschäftigen, steht dahinter meist keine Todessehnsucht, sondern das Ziel, den Tod wieder wie zu vorchristlichen Zeiten zu entdämonisieren, als unweigerlich eintretenden Alltagsfall zu akzeptieren.[6]

Die Beschäftigung und Identifikation mit alten heidnischen Kulturen und dem Spätmittelalter führt bei vielen Gothics zu einer kritischen Distanz zum institutionalisierten Christentum (Inquisition, Hexenprozesse, Zwangschristianisierungen). So liegt es für viele Gothics nahe, sich dem von der Kirche selbst popularisierten Widerstreiter positiv zuzuwenden. Dabei sind echte Grufties nicht mit Satanisten zu verwechseln. Für sie stellt Satan nur ein Symbol dar, so wie der leidende Jesus am Kreuz für die Kirche. Sie befassen sich zwar mit Satan, sind aber keine „Teufelsanbeter“ im klassischen Sinne.[7] Das Bild des satanistischen Grufties oder des Leichen ausbuddelnden Grabschänders sind eher das Ergebnis der medialen Sensationsgier.

3.1        Fazit

Gothic ist keine Religion und kein Kult. Für viele ist es nur ein Hobby, das sie vor allem am Wochenende ausleben. Während der Woche sind die meisten „Schwarzen“ normale Schüler, Studenten oder Arbeitnehmer.

 

A.             Literaturverzeichnis

Farin, Klaus [1999]
Die Gothics,
Interviews, Fotografien,
Verlag Thomas Tilsner, Bad Tölz

Wallraff, Kirsten [2000]
Weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz,
Verlag Thomas Tilsner, Bad Tölz



[1] Vgl. Farin [1999], Seite 10f.

[2] Vgl. Farin [1999], Seite 10, sowie Wallraff [2000], Seite 52ff.

[3] Wallraff[2000], Seite 63

[4] Vgl. Wallraff [2000], Seite 42f.

[5] Wallraff [2000], Seite 16

[6] Vgl. Farin [1999], Seite 10f.

[7] Vgl. Farin [1999], Seite 14f.

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